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Georges Leser

Georges Leser im Interview

Der streitige Finanzanwalt Georges Leser führt derzeit als „Lead“ einige der spannendsten und komplexesten Verfahren des Landes: kitzVenture gegen FMA, gegen VKI und gegen die StA. Wirtschaftsanwaelte.at hat ihn getroffen und spricht mit ihm über Beruf und Privates – und – was einen guten Juristen ausmacht.

Rückblickend auf Ihre Karriere – wurde Ihnen der Anwaltsberuf in die Wiege gelegt?
‚In die Wiege gelegt‘, nein das kann man nicht so sagen. Ich bin in keiner typischen Juristenfamilie aufgewachsen, sondern eher zufällig dazu gekommen. Selbst war ich immer mehr ein Praktiker: Als Student hatte ich in einer großen Wirtschaftskanzlei gearbeitet; die Sommer über verbrachte ich meist mit Praktika mit Bezug zum Kapitalmarkt im Ausland – und ich war durch den vielfältigen Anwaltsberuf fasziniert. So war es naheliegend, was nachher folgte.

Was begeistert Sie besonders am Beruf des Anwalts und was war Ihr besonderes Highlight?
An der Tätigkeit selbst sicher die Mischung aus Spezialisierung und Generalisierung; sich auf die Kernmaterie zu fokussieren und gleichzeitig andere Rechtsbereiche, Querschnittsmaterien, nicht außer Acht zu lassen. Richtig begeistert mich, die Branchen und das Business der Mandanten zu verstehen – dass macht den Beruf des Wirtschaftsanwalts auch so interessant.

Highlight ist gut, begonnen habe ich zuerst im Transaktionsbereich, Banking/Finance, und dabei viel gelernt, z.B. bei mehreren Bank-M&A-Transaktionen. Meine „Berufung“ habe ich dann in der Mischung mit dem „Streitigen“ gefunden – das größte Highlight war daher sicher das Meinl-Mandat.

Welche Ziele haben Sie noch vor Augen?
Ich habe mich im Herbst 2014 selbstständig gemacht – und diese Entscheidung nie bereut. Es ist ungeheuer spannend sein eigenes „Start-up“ aufzuziehen, egal in welcher Branche. Mein Ziel ist immer die Zufriedenheit der Mandanten; meine schätzen neben meiner Expertise besonders die kurzen Reaktionszeiten und die persönliche Betreuung. Selbstverständlich bestehen auch Wachstumspläne, für die es unterschiedliche Varianten gibt. Das wird sich alles zeigen.

Wie sieht die Zukunft des Anwaltsberufs aus?
Der Anwaltsberuf ist genauso im Wandel wie andere Berufsgruppen. In den 80ern waren kleine Kanzleien die Regel, seit Anfang 2000 sind die Anzahl der Mitarbeiter pro Kanzlei in Österreich im Schnitt massiv gewachsen. Die Zeiten ändern sich, auch im Anwaltsgeschäft. Die dauernde Präsenz ist beispielsweise nicht mehr notwendig. Der Großteil der Kommunikation läuft bei mir über E-Mail oder Handy. Manche Mandanten kommunizieren mit mir auch über WhatsApp. Mittels WebERV kann ich auch aus dem Ausland mit den Gerichten kommunizieren. Das geht beispielsweise in Deutschland noch nicht so umfangreich. Hier ist Österreich sehr fortschrittlich und die Digitalisierung in der Anwaltsbranche wird noch Einiges umwälzen. Es wird spannend.

Sie sind engagiert – wie entspannen Sie sich in Ihrer Freizeit?
Die Selbständigkeit hat klassisch Vor- und Nachteile, die jeder Selbstständige kennt. So richtig „Abschalten“ ist natürlich schwierig. Ich sportle als Ausgleich und reise sehr gern. Zu meinen schönsten Reiseerinnerungen zählen Spitzbergen, Island und Neuseeland. Außerdem ist meine Freundin als Opernsängerin international tätig. Wenn es sich zeitlich ausgeht, fliege ich gerne mit, auch Langstrecken, z.B. letztes Jahr nach Tokyo. Wie gesagt, arbeiten kann ich von überall. Aus Tokyo habe ich beispielsweise auch eine Klage eingebracht.

Foto & Interview: Walter J. Sieberer

Mehr Info: www.georgesleser.com