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Ein neues Buch gibt erstmals Einblick in die geheime Welt der Privatstiftungen.

Dr. Brigitta Schwarzer, Dr. Alix Frank-Thomasser und Mag. Martina Heidinger

Ein neues Buch – „Gefangen im Stiftungszweck? Ein Praxisblick auf die reale Welt der Stiftungen“ – lässt Stifter, Stiftungsvorstände, Stiftungsprüfer, Begünstigte und deren Berater selbst zu Wort kommen. Es ermöglicht somit erstmals einen Blick hinter die Kulissen der rund 3.200 Stiftungen in Österreich, an denen zahlreiche Firmenbeteiligungen und damit zehntausende Arbeitsplätze hängen.

Alle drei Buch-Autorinnen – Dr. Alix-Frank-Thomasser, Mag. Martina Heidinger und Dr. Brigitta Schwarzer, MBA – beschäftigen sich beruflich intensiv mit dem Thema Stiftungen, kooperieren seit längerem und ließen ihre ganz persönlichen Erfahrungen in das Buch einfließen. Frank-Thomasser ist Anwältin mit Schwerpunkt Gesellschafts- und Stiftungsrecht und hat selbst Mandate als Stiftungsvorstand. Heidinger ist Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin bei Crowe SOT, sie prüft u. a. auch Stiftungen. Schwarzer, die Geschäftsführerin von INARA, einer Governance & Compliance Plattform für (Stiftungs-)Vorstände, Geschäftsführer und Aufsichtsräte, ist gerichtlich beeidete Sachverständige für D&O-Versicherungen.

Weil Privatstiftungen vor allem dafür gedacht sind, Familienvermögen zusammenzuhalten und damit für kommende Generationen vorzusorgen, sollte der Gesetzgeber laut Frank-Thomasser sich Gedanken machen, den Familieneinfluss zu stärken und auch überlegen, wie man – wenn nötig – künftig einen wirtschaftlich erträglichen Exit aus der Privatstiftung ermöglichen kann. Derzeit erweist sich die Stiftung in solchen Fällen aus steuerlichen Gründen meist als „Mausefalle“. Heidinger verwies anhand eines praktischen Beispiels darauf, dass in Stiftungen sehr oft das Interne Kontrollsystem (IKS) ein „Stiefkind“ sei und die entsprechende Dokumentation nur mangelhaft erfolge. Hier seien vor allem Stiftungsvorstände gefordert.
„Herzstück“ des 152 Seiten starken Buchs sind insgesamt 18 Interviews mit Stiftern, Stiftungsvorständen, Begünstigten, Vorständen und Aufsichtsräten von Stiftungsbeteiligungen sowie Steuer-, Vermögens-, Immobilien und Versicherungsberatern. „Stiftungen ticken anders – und alle ähnlich“, so das Resümee von Schwarzer, welche die Mehrzahl der Interviews führte und zunächst mit etlichen Absagen zu kämpfen hatte, ehe sie ihre Gesprächspartner befragen konnte. Egal ob Stifter selbst, Stiftungsvorstände oder Begünstigte – sie alle legen höchsten Wert auf Diskretion. Auch wenn viele der heimischen

Stiftungen seit Jahren erhebliche Mittel für wohltätige Zwecke locker machen, erfährt man kaum etwas davon. Die Stiftungen sollten sich künftig stärker an der Devise – „Tu Gutes und rede darüber“ – orientieren, so Schwarzer. Damit könnte man auch die öffentliche Meinung, die derzeit Stiftungen oft bloß als Geldversteck von Superreichen oder zumindest als Vehikel zur Steuervermeidung sieht, langfristig verändern. Alle Interviewten waren übrigens der Meinung, dass Stiftungen nicht vom Aussterben bedroht sind, sondern auch künftig ihre Berechtigung haben werden.

Wirtschaftsminister Dr. Harald Mahrer, der ein Vorwort zum Buch beisteuerte, sieht in Österreich großes Zukunftspotenzial für gemeinnützige Stiftungen. Bereits im Jahr 2015 wurde ein entsprechendes Gesetz beschlossen, das mittelfristig dazu beitragen soll, die Zahl der gemeinnützigen Stiftungen in Österreich von 200 auf über 1.000 zu erhöhen.

Abgerundet werden die Interviews durch Beiträge aus der Sicht von Rechtsberatern sowie Vermögens-, Immobilien- und Versicherungsberatern, die für Stiftungen bzw. deren Organe tätig sind.

Das 1993 beschlossene Privatstiftungsgesetz erlebte in den vergangenen Jahren zahlreiche Veränderungen. Die ursprünglich vorhandenen Steuervorteile sind inzwischen praktisch total verschwunden, die Stellung die Begünstigten hat sich verschlechtert, die Haftung der Stiftungsvorstände wird von Judikatur zunehmend streng ausgelegt. Eine geplante Novellierung – die u.a. der Stifterfamilie mehr Rechte einräumen sollte – liegt wegen der Neuwahl vorerst auf Eis, ob und wann sich eine neue Regierung mit dem Thema befassen wird, steht in den Sternen.