
Eine Scheidung entscheidet nicht nur über persönliche Beziehungen, sondern oft auch über Vermögenswerte, Unternehmen und finanzielle Zukunftsperspektiven. Dr. Clemens Gärner, Rechtsanwalt und geschäftsführender Gesellschafter von Gärner Law in Wien, gibt exklusive Einblicke und praxiserprobte Ratschläge.
Warum eine kluge Scheidungsstrategie wirtschaftlich entscheidet
Einvernehmlich vor Strittig – In der ersten Phase einer Trennung liegen die Nerven meist blank. Die Versuchung, Kränkungen und Enttäuschungen im Gerichtssaal auszutragen, ist groß. Doch Dr. Clemens Gärner warnt vor Kurzschlusshandlungen.
„Ein streitiges Scheidungsverfahren ist nicht nur sehr kostenintensiv, sondern zieht sich häufig über Jahre. In solchen Eskalationsspiralen gibt es selten echte Gewinner“, erklärt Dr. Clemens Gärner, Scheidungs- und Familienrechtsexperte aus Wien.
Als oberstes Ziel sollte daher immer eine maßgeschneiderte, einvernehmliche Scheidungsvereinbarung in Betracht gezogen werden. Hierbei werden Vermögen, Unterhalt und Kinderbelange in einer umfassenden Vergleichsausarbeitung geregelt. Voraussetzung ist allerdings, dass beide Seiten verhandlungsbereit sind und professionell begleitet werden.
Gärner dazu. „Ein strategisch klug geführter Dialog führt fast immer zu besseren Ergebnissen als ein jahrelanger Rosenkrieg. Ziel muss eine zukunftsorientierte Lösung sein, die beiden Partnern den Weg in einen wirtschaftlichen und persönlichen Neuanfang ebnet.“
Ehegüterrecht: Das komplexe Geflecht der Vermögensaufteilung
Bei vielen Scheidungen wird der größte Konflikt nicht über die Trennung selbst, sondern über die finanziellen Folgen geführt. Dazu gilt Österreich grundsätzlich, dass das eheliche Gebrauchsvermögen und die ehelichen Ersparnisse aufgeteilt werden. Die rechtliche Realität ist jedoch deutlich komplexer.
Erbschaften und Schenkungen
Vermögen, das ein Ehepartner bereits vor der Ehe besessen hat oder während der Ehe durch Erbschaft oder Schenkung erhält (etwa das Grundstück der Eltern), bleibt grundsätzlich von der Aufteilung ausgenommen.
Eine wichtige Ausnahme kann die Ehewohnung darstellen, wenn sie für die weitere Lebensführung eines Ehepartners dringend benötigt wird.
Unternehmen und Beteiligungen
Gerade bei Unternehmerfamilien entstehen häufig schwierige Fragen. Der Gesetzgeber schützt grundsätzlich den Fortbestand von Unternehmen. Eine Zerschlagung eines Betriebes soll vermieden werden.
Allerdings können Wertsteigerungen oder wirtschaftliche Vorteile während der Ehe Ausgleichsansprüche auslösen.
Verbindlichkeiten
Nicht nur Vermögen, sondern auch Verbindlichkeiten spielen eine Rolle. Schulden, die für den gemeinsamen Haushalt oder die gemeinsame Lebensführung aufgenommen wurden, müssen bei der wirtschaftlichen Betrachtung berücksichtigt werden.
Trennung als taktisches Spielfeld
Aus der Praxis berichtet Gärner auch von taktischen Manövern, die Beteiligte immer wieder versuchen, um Vorteile zu erzwingen. Dazu gehören das plötzliche Leeräumen von Sparkonten, das Verschleiern von Einkünften oder der Versuch, Gerichtspost durch Scheinadressen zu verhindern.
„Wer meint, den Partner über den Tisch ziehen zu können, schneidet sich meist ins eigene Fleisch“, betont Dr. Gärner, „Das Gericht durchschaut manipulative Taktiken schnell; Verschleierungen führen oft zu empfindlichen Nachteilen und Kostenersatzpflichten.“
CHECKLISTE: Die 5 wichtigsten Regeln vor und bei der Trennung
- Unterlagen und Dokumente frühzeitig sichern: Kontoauszüge, Grundbuchauszüge, Steuerunterlagen, Gesellschaftsverträge und Kreditunterlagen sollten frühzeitig gesammelt und gesichert werden.
• Keine übereilten Auszüge: Verlassen Sie die Ehewohnung nicht vorschnell ohne rechtliche Beratung – dies könnte als böswilliges Verlassen ausgelegt werden und rechtliche Folgen haben.
• Finanzielle Transparenz wahren: Ungewöhnliche Überweisungen, größere Barabhebungen oder Vermögensübertragungen kurz vor einer Trennung können rechtlich problematisch werden.
• Kinder nicht zum Druckmittel machen: Obsorge und Kontaktrecht dienen ausschließlich dem Kindeswohl und dürfen nicht mit finanziellen Fragen vermischt werden.
• Rechtzeitige Erstberatung: Holen Sie sich spezialisierten rechtlichen Rat ein, bevor Fakten und damit unumkehrbare Situationen geschaffen werden.
Kindeswohl & Obsorge: Lösungen statt Machtkämpfe
Besonders sensibel sind Trennungen, wenn Kinder betroffen sind. Nach einer Scheidung bleibt die gemeinsame Obsorge in Österreich grundsätzlich bestehen. Das Kontaktrecht ist vor allem das Recht des Kindes auf beide Elternteile und darf nicht als Verhandlungsmasse eingesetzt werden. Auch eigenmächtige Veränderungen des Lebensmittelpunktes eines Kindes können erhebliche rechtliche Konsequenzen haben.
„Kinder brauchen nach einer Trennung vor allem Stabilität und Verlässlichkeit. Der Konflikt der Eltern darf nicht zum Konflikt mit den Kindern werden“, betont Dr. Gärner.
Ehevertrag: Vom Tabuthema zur modernen Vorsorge
Immer mehr Paare entscheiden sich bereits vor oder während der Ehe für einen Ehevertrag. Was früher als unromantisch galt, gilt heute als umsichtige Absicherung – insbesondere, wenn Immobilien, Familienunternehmen oder erbliches Vermögen im Spiel sind.
„Ein Ehevertrag ist wie eine Vollkaskoversicherung: Man hofft, sie nie zu brauchen, aber im Ernstfall spart sie extrem viel Geld, Zeit und seelischen Stress“, so abschließend Dr. Clemens Gärner.
Foto: Walter J. Sieberer






