Zukünftige Wirtschaftanwälte findet man heute

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„Manchmal geht der Knopf erst nach dem Studium auf.“

Heute findet am Juridicum in Wien die Recruiters Night statt. Was Binder Grösswang als international tätige Wirtschaftskanzlei von angehenden AnwältInnen erwartet – dazu Mag. Sabine Binder–Krieglstein kurz vor Beginn im aktuellen Interview:

„Wir suchen nach einer Mischung – gute Noten – Personality – wobei mittelmäßige Noten nicht unbedingt ein Ausschlusskriterium darstellen. Natürlich entscheiden sie letztendlich bei ähnlichen Bewerbern. Als wichtig betrachten wir einen konventionellen Werdegang mit kurzen Studienzeiten und da wir fast ausschließlich international tätig sind, idealerweise ein englischsprachiges Auslandssemester. Natürlich gibt es auch Ausreißer die in eine engere Wahl kommen, die Rechtswissenschaften z.B. als zweiten Bildungsweg gewählt haben.“

Wie wichtig sind eine Dissertation bzw. ein L.L.M. für die Bewerber?

„Ein Doktorat ist vom Vorteil, wobei es auch kein Knock-out Kriterium ist keines zu haben. Es ist aber unrealistisch neben der Zeit als Konzipienten zu dissertieren. Nach der Anwaltsprüfung empfehle ich aber in jedem Fall einen L.L.M. zu machen um sich in ein gewählte Richtung weiterzubilden.

Sieht sich Binder Grösswang auch als Ausbilder?

Uns liegt die Rolle als Ausbilder sehr am Herzen, diesen Auftrag möchten wir in jeder Weise nachkommen. Sehr oft haben die zukünftigen Anwälte wenn sie zu uns kommen von den einzelnen Fachgebieten wenig bis gar keine Ahnung – auf der Uni lernt man z.B. sehr wenig über Banking und Finance. Aber man sollte keine Scheu haben sich zu bewerben wenn man Interesse daran hat. Wir haben dafür ein spezielles internes Ausbildungsprogramm, man kann aber bei uns rotieren und in andere Fachgebiete schnuppern. Aber jeder der bei uns seine Konzipientenzeit abschließt hat zumindest eine GmbH gegründet.“

Der strafrechtliche Teil der Anwaltsprüfung als Hemmschuh für Konzipienten von großen Wirtschaftskanzleien?

„Wir decken die Ausbildung für den strafrechtlichen Teil der Anwaltsprüfung nicht ab, was wir aber machen ist ausreichend Prüfungsurlaub und Vorbereitungszeit zu geben. Wir selbst bieten in der Kanzlei nur Wirtschaftsrecht – das ist unser Gebiet. Man braucht aber keine Angst vor einer Großkanzlei haben, man arbeitet in einem Team als Teil des Ganzen und sehr oft teamübergreifend. Sehr viele unserer Rechtsanwaltsanwärter haben nach dem Gerichtsjahr auch genug von Streitigem und wollen bewusst nicht kleine Causen verhandeln und dann ist eine große Wirtschaftskanzlei sicher die richtige Wahl. Als Vorteil kann man auch die Sicherheit des Arbeitsplatzes und das Vorhandensein unternehmerischer Strukturen sehen.“

Arbeitszeiten und Frauen im Anwaltsberuf?

„Bei uns werden 2010 einige weiblich Konzipientinnen eintragungsfähig sein und sind auch Frauen als Partner zukünftig herzlich willkommen. Bei vielen kommt eben das Leben dazwischen, wir schließen aber auch Familie nicht aus und sind aktiv diesbezüglich vernünftige Arbeitszeitmodelle anzubieten. Aktuell haben wir 2 Anwältinnen die teilzeitbeschäftigt sind und sich auch die Arbeit ziemlich frei einteilen. Prinzipiell ist es aber kein nine-to-five Job, aber wir sorgen uns auch um Ausgleich. Gezahlt wird marktkonform“

Danke für das Interview

Interview & Fotos: Walter J. Sieberer

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