KWR Corporate Lounge 2017: „Arbeit 4.0 – Digitalisierung und Zukunft der Arbeitswelten“

72
Im Bild vl.: Mag. Thomas Arnoldner (Mitglied der Geschäftsführung der T-Systems Austria GesmbH (VP Sales & Service), Dr. Anna Mertinz (KWR Arbeits- und Datenschutzrechtsexpertin), RA Hon.-Prof. Dr. Dr. Jörg Zehetner (KWR, Moderation), Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Mazal (Vorstand des Instituts für Arbeits- und Sozialrecht, Universität Wien)

Die von der Rechtsanwaltskanzlei KWR veranstaltete „KWR Corporate Lounge“, die jährlich stattfindende Podiumsdiskussion zu aktuellen rechtlichen und rechtspolitischen Themen, fand heuer am 15.11.2017 bereits zum zwölften Mal im Dachgeschoss des Wiener Justizpalastes statt.

Unter der Moderation von RA Hon.-Prof. DDr. Jörg Zehetner (KWR) diskutierten Mag. Thomas Arnoldner (Mitglied der Geschäftsführung der T-Systems Austria GesmbH, VP Sales & Service), Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Mazal (Vorstand des Instituts für Arbeits- und Sozialrecht, Universität Wien) und RA Dr. Anna Mertinz (KWR Arbeits- und Datenschutzrechtsexpertin) zur Zukunft der Arbeitswelten im Lichte der Digitalisierung. Insbesondere die Frage, welche Arbeitskräfte künftig durch künstliche Intelligenz ersetzt werden, und die damit zusammenhängenden sozialpolitischen und rechtlichen Herausforderungen standen im Zentrum der spannenden Diskussion.

Soziale Verantwortung versus Fortschritt?
Jörg Zehetner führte mit dem Hinweis in das Thema ein, dass es bereits mehrere Wellen des technischen Fortschritts gab, die unsere Arbeitswelt und Gesellschaft geprägt hatten. Wesentlicher Unterschied sei jedoch, dass durch vorhergehende technische Errungenschaften überwiegend körperliche Arbeitskraft ersetzt wurde, mit der Digitalisierung und „Industrie 4.0“ jedoch zunehmend auch hoch qualifizierte Arbeitskraft ersetzt werde. Wesentlich sei also die Frage, wie wir als Gesellschaft mit dieser Herausforderung umgehen wollen und sollen. Wie wird die Arbeit der Zukunft aussehen? Geht der Gesellschaft die Arbeit aus? Was passiert mit uns, wenn wir nicht mehr „arbeiten“? Liegt es überhaupt noch in unserer Hand, hier Grenzen zu setzen oder müssen wir uns damit begnügen, bestmöglich auf die technologischen Veränderungen zu reagieren?
Entlastung der Unternehmen durch Digitalisierung, Mut zur Veränderung!
Thomas Arnoldner schilderte zunächst die Veränderungen, die durch eine immer weiter voranschreitende IT-Entwicklung auf Unternehmer zukommen werden. „Wissensbasiertes Arbeiten oder Tätigkeiten, die einer Interaktion mit Menschen bedürfen, werden bereits jetzt schon durch Algorithmen ersetzt, wie beispielsweise die Betreuung in Kundenservicecentern. Dieser Trend wird sich in Zukunft sicher weiter entwickeln, was große Entwicklungspotentiale in sich birgt – es ist deswegen aber nicht angebracht in Panik zu verfallen, sondern die Chancen darin zu erkennen“, so Arnoldner. Wichtig sei es, die neuen Technologien durch ein professionelles Change-Management in Unternehmen zu integrieren, um so bestmögliche Ergebnisse zu erzielen.
Lösung durch Neudenken von Arbeitswelten
Wolfgang Mazal wies auf die Lektionen der Massenarbeitslosigkeit der Vergangenheit hin. Diese hätten uns gelehrt, dass es eines gesellschaftlichen Bewusstseins bedürfe, um dem „Recht auf Arbeit“ nachkommen zu können. „Jährlich fallen 200 Millionen Überstunden an, was in etwa 200.000 Vollzeitarbeitsplätzen entsprechen würde. Bei der bestehenden hohen Anzahl an Burn-Out Patienten und der gleichzeitigen hohen Arbeitslosigkeit wäre die logische Konsequenz, Überstunden durch eine zweite Arbeitskraft zu ersetzen“, so Mazal. Dadurch könne man sowohl das Problem der „Überarbeitung“ lösen, als auch zusätzliche Beschäftigung schaffen. Es ginge hier darum – so Mazal weiter – ein Bewusstsein für neue Gestaltungsmöglichkeiten in der Arbeitswelt zu schaffen. Dies sei ein wichtiger Schritt, um in Zukunft den durch „Industrie 4.0“ bedingten Herausforderungen verantwortungsvoll begegnen zu können.
Forderung neuer rechtlicher Rahmenbedingungen für Arbeit 4.0
Anna Mertinz wies auf das Erfordernis neuer rechtlicher Rahmenbedingen hin, denn die Arbeitswelt 4.0 bringe – so Mertinz –- eine Abkehr von klassischen Arbeitsverhältnissen. „Durch die Digitalisierung entstanden neue Formen der Arbeitserbringung wie crowd-working oder job-sharing. Themen wie Vertrauensarbeitszeit, home office und bring your own device sind längst Realität im Arbeitsalltag und werden sich in Zukunft sicher noch verstärken!“
Im Anschluss an eine packende – und weit länger als geplante – Diskussion fand der Abend bei einem Empfang über den Dächern Wiens mit den rund 120 renommierten Gästen aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft, seinen Ausklang.
www.kwr.at
Foto: beigestellt