Kleider machen Leute!

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Das Standesrecht wird offener, Anwälte beschäftigen sich intensiv mit Marketing und Public Relations, werden auffälliger – inwieweit reflektiert sich dies in der berufsbezogenen eingeschränkten Kleiderwahl eines Rechtsanwalts? Ein Anlass für uns einen Anwalt bei der Wahl seiner Berufsbekleidung zu begleiten und mit Profis wie Andreas Agh ehemalig Maßschneiderei Stoffwerk und Nora Piticev von Spada zu sprechen.

Red.: Frau Piticev, sie bieten mit Ihrem Unternehmen seit mehr als 20 Jahren Businessanzüge und viele ihrer Kunden sind Anwälte. Welche Empfehlungen sprechen sie für die Garderobe eines Anwaltes aus?

Nora Piticev: Ein hochqualitativer, eleganter und dunkler Businessanzug aus leichten weichen Stoffen in den Farben dunkelblau oder dunkelgrau, auch mit Nadelstreif passt immer. Aber auch braun oder beige kann diesen Zweck erfüllen. Ein Wirtschaftsanwalt ist selbstverständlich auf einen seriösen Eindruck angewiesen. Wir sind da als Familienunternehmen sehr flexibel und passen unsere Konfektion laufend an, das garantiert eine hohe Passform beim Kunden. Eine unserer Stärken ist der persönliche Kontakt und eine kompetente Beratung in unseren Geschäften im Hilton Plaza und in der Hiltonpassage beim Stadtpark. Dadurch bekommen wir laufend Feedback, die wir in den folgenden Kollektionen umsetzen können. Natürlich betrifft das auch Hemden und Accessoires.

Red.: Wie kann sich ein Anwalt modern und doch passend kleiden?

Nora Piticev: Man spielt, natürlich im engen Rahmen, mit Hemd, Krawatte und Stecktuch. Aber übertreiben sollte man nicht – es zählt eben der erste Eindruck – deswegen nehmen wir uns viel Zeit für die ersten Gespräche und Beratung. Unsere langjährigen Stammkunden
vertrauen darauf.

Red.: Sind Maßanzüge ein Thema?

Nora Piticev: Es gibt es immer Argumente pro oder kontra Maßanzug. Einige unserer Kunden waren früher absolute Liebhaber von Maßanzügen und tragen unsere Konfektion.

Red.: Hr. Agh, warum ein Maßanzug?

AGH: Für mich ist der perfekt sitzende Anzug Arbeitskleidung und Stilbekenntnis zugleich. Kleider machen Leute, was ich trage nach dem werde ich zuerst beurteilt, ein Umstand der gerade für einen Wirtschaftsanwalt tragend sein sollte.

Red.: Was ist das besondere an Maßanzügen?

Andreas AGH: Es steckt einfach viel mehr Beratung, Arbeit und Passform dahinter. Maßanzüge werden direkt auf den Körper geschnitten und nehmen Rücksicht auf Körperhaltung, Bewegungsfreiheit oder auch darauf ob der Träger eine große Armbanduhr trägt, das gilt natürlich auch für Maßhemden. Bei einem Maßanzug passt einfach alles zusammen und das spiegelt sich auch im persönlichem Wohlbefinden wieder. Den Anzug trägt man ja auch den Großteil des Tages und natürlich hält ein maßgefertigter Anzug länger. Auch wird viel in die Stoffentwicklung investiert, ein Benefit den eben nur jemand erhält, der sich den Anzug auch leisten will.

Red.: Was sind zB die neuesten Entwicklungen?

AGH: Es gibt zum Beispiel Stoffe die einen Kühleffekt generieren, eine Innovation und sicher nicht um einen Konfektionspreis oder Schnäppchenpreis zu erhalten.

Red.: Was kostet nun so ein Meisterstück?

AGH: Es beginnt bei etwa 1.200 Euro, Maßanzüge die darunter angeboten werden nennen wir nicht Maßanzüge. Man arbeitet etwa 40-45 Stunden an einem Maßanzug, der sitzt dann auch perfekt, deshalb sind am Markt  grassierende Preise von 400 Euro wirklich unrealsitisch.

Red.: Was die absoluten No-Go’s bei Anzügen?

AGH: Da gibt es einige:
1. Button Down Hemden mit Krawatten
2. Krawatte u. Stecktuch aus dem selben Stoff
3. Sakko mit Kurzarmhemd
4. Krawattenklammern
5. und z.B. bei Terminen in England mit der falschen Clubkrawatte zu erscheinen oder mit der falschen Farbe zu Parteiveranstaltungen. Natürlich gehört auch der Krawattenknopf abgestimmt zu Hemd und Kragen. Kleider machen eben Leute!
Red.: Vielen Dank für das Interview.

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