Anwälte die bewegen: Clemens Jaufer

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Clemens Jaufer

Dr. Clemens Jaufer ist Partner der ScherbaumSeebacher Rechtsanwälte GmbH, bereits seit Jahren erfolgreich im Bereich Insolvenzrecht & Restrukturierung tätig und hat sich nun mit der Expansion und dem neuen Büro in der Wiener Innenstadt einen Wunsch erfüllt. Das Büro mit Blick auf den geschichtsträchtigen Graben macht Eindruck, es ist modern und stilsicher – genau im Sinn der Kanzlei.

Neben seiner Tätigkeit als Rechtsanwalt ist er Autor einschlägiger Publikationen sowie langjähriger Universitätslektor für angewandtes Insolvenz- und Sanierungsrecht an der KFU Graz. Wir haben ihm einige persönliche Fragen gestellt.

Wie sind Sie Rechtsanwalt geworden, sind sie vorbelastet?

Ja, bin ich, aber war das nicht der wirkliche Grund. Zur Juristerei hat mich das starke Interesse für die Kombination aus Wirtschaft und Recht gebracht. An dieser Schnittstelle habe ich vor allem Restrukturierungs- und Insolvenzfälle gesehen, eben jener Bereich in den man aus einem negativen wirtschaftlichen Erfolg mit betriebswirtschaftlichen und rechtlichen Instrumenten wieder etwas Positives machen kann – und folgend die dazugehörenden gesellschaftsrechtlichen Maßnahmen. Diese Interessengebiete haben mich während des Studiums bis zur Doktorarbeit begleitet. Danach wollte ich mein wirtschaftliches Know-how ausbauen und vertiefte es 3 Jahre lang bei KMPG. Auch die abgabenrechtliche und betriebswirtschaftliche Seite konnte ich bei vielen Projekten näher betrachten und mir die Grundlagen für die 3 Wissensgebiete Gesellschaftsrecht, Insolvenz- / Sanierungsrecht und Abgabenrecht derart näherbringen, dass sie das Fundament meiner heutigen Tätigkeit als Rechtsanwalt und Partner bei ScherbaumSeebacher sind.

Was begeistert Sie besonders in der Juristerei und was war Ihr besonderes Highlight?

Eben die Verknüpfung dieser Themen mit kaufmännischen Fragen. Gerade im Sanierungsrecht ist das Meiste von einem wirtschaftlichen Hintergrund getrieben und das rechtliche Rüstzeug ist hochspezifisch. Ich bin eben persönlich ein begeisterter Unternehmer – das hat mich auch zur federführenden Person für unsere Expansion nach Wien gemacht.

Eine herausstechende Causa für mich persönlich, da viele neue Themen zu bewältigen waren, ist noch immer das damalige Sanierungsverfahren der AE&E (Red.: Vorgängerunternehmen Simmering-Graz-Pauker und Waagner Biro). In einem sehr engem Zeitkorsett konnten wir als Sanierungsverwalter das Unternehmen in eine Restrukturierungsphase bringen. Das war sicher ein Highlight für mich – von der rechtlichen Komplexität, der Abwicklungsge-schwindigkeit und einer selten vorkommenden Dichte von wirtschaftlichen und faktischen Gegebenheiten. Das Unternehmen wird nun weitergeführt unter Andritz Energy & Environment.

Welche Ziele haben Sie noch vor Augen?

Persönlich steht jetzt für mich die Entwicklung der Kanzlei im Vordergrund, wir haben sicher mit dem Standort Wien und in Österreich überhaupt noch einiges an Aufgaben zu erfüllen. Ich sehe hier sehr viel Entwicklungspotential. Wien ist eben eine starke Drehscheibe für unser internationales Beratungsgeschäft, nicht nur im Bereich der Unternehmensrestrukturierung. Hier kommen viele Mandate auf uns zu, denn da haben wir das entsprechende Know-how.

Wie sieht, aus Ihrer Sicht, der Anwaltsberuf der Zukunft aus – der virtuelle Anwalt oder wo ist Persönlichkeit auch in Zukunft gefragt?

Wir nützen natürlich alle digitalen Möglichkeiten die uns der Markt zur Verfügung stellt, intern und extern. Die Kanzlei selbst hat sich dementsprechend in den letzten Jahren in Organisation und Struktur extrem verändert, wir konnten aus diesem Grund das Mitarbeiterverhältnis zu Gunsten der rein juristischen Fachkräfte stark steigern – dies kommt uns und den Mandanten zugute.

Das partielle Ersetzen des Anwalts durch künstliche Intelligenz wird bei uns sehr intensiv beobachtet und beschäftigt uns auch seit Jahren in unseren sehr individuellen Beratungssegmenten. Meines Erachtens geht es in die Richtung, dass die persönliche Präsenz des Anwalts in unseren Tätigkeitsschwerpunkten bleiben wird, aber in der Abwicklung und Bearbeitung der Mandate immer weiter vernachlässigbar und digital gesteuert wird. Dies zeigt sich auch dabei, dass der Erstkontakt zu Mandanten sehr oft über digitale Plattformen entsteht.

Sie sind sehr engagiert. Wie entspannt sich ein engagierter Anwalt in der eigentlich wenigen Freizeit?

Ich bin ein ausgeprägter Familienmensch; in meiner Familie, mit meiner Frau und unseren 3 Kindern, komme ich zur Ruhe. Ein intensiv ausgestaltetes gemeinsames Programm wie Kunst, Kultur, Sport und Reisen bedeutet für mich Erholung und holt mich bewusst aus dem Beruf heraus – obwohl mich das digitale Büro oft begleitet – aber nicht immer!

Danke für das Interview.

Fotos und Interview: Walter J. Sieberer