Anwälte die bewegen: Beatrice Blümel

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Anwälte die bewegen: Beatrice Blümel im Fokus
Anwälte die bewegen: Beatrice Blümel im Fokus

Interesse an Digitalisierung und New Technologies, Flexibilität im Denken, Sportlichkeit und eine sehr gute Motivation sind nach Meinung von Dr. Beatrice Blümel, Leiterin des Bereichs New Technologies & Digitalisierung bei KWR, die notwendigen Voraussetzungen für die Anwälte und Rechtsanwaltskanzleien der Zukunft. Begegnet sind wir der engagierten Juristin zum ersten Mal als sie eine Welle auf der Donau mit ihrem Surfbrett abritt. Nun steht sie uns Rede und Antwort zu Karriere und erlaubt uns auch einen Blick in ihr Privatleben.

Wie sind Sie eigentlich Rechtsanwältin geworden, sind sie vorbelastet?

Juristisch vorbelastet bin ich eigentlich nicht. In meiner Familie waren bisher die Naturwissenschaften klar am Stärksten vertreten: Biologen, Chemiker, mein Vater ist Arzt. Vielleicht kommt die Neigung zur notwendigen Genauigkeit von meiner Mutter, die vor ihrer Pensionierung als Steuerberaterin tätig war.

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Die Freude am juristischen Diskutieren mit Kollegen habe ich dann am Anfang meiner beruflichen Laufbahn am Institut für Zivilrecht entdeckt. Während dieser Zeit war ich auch für einige Monate im Evidenzbüro des Obersten Gerichtshofs tätig und von den dort anhängigen Verfahren und Schriftsätzen fasziniert.

Was begeistert Sie besonders an der Juristerei und was war Ihr besonderes Highlight?

An der Juristerei begeistert mich, dass jeden Tag andere Rechtsfragen zu klären sind und kein Fall dem anderen gleicht. Ich sehe den Job auch gerne als tägliches Rätsellösen.

Mein persönliches Highlight bisher war es als Teil des Österreichischen Ratspräsidentschaftsteams 2018 im Bereich Urheberrecht tätig zu sein und an den Ratsarbeitsgruppen und den Trilogverhandlungen zu den damals entstehenden Richtlinien in Brüssel teilzunehmen. Die Herausforderungen, die sich stellen, wenn ein gemeinsamer Kompromissvorschlag zu einem Gesetzestext mit allen Mitgliedstaaten, der Kommission und dem Parlament erarbeitet werden muss, sind einzigartig. International zu arbeiten und über den österreichischen „Tellerrand“ hinauszuschauen hat mir besonders gut gefallen.

Welche beruflichen Ziele haben Sie persönlich noch vor Augen?

Als Leiterin des Bereichs New Technologies & Digitalisierung bei KWR gilt meine Aufmerksamkeit derzeit ganz dem Ausbau dieses Bereichs. Gebiete wie künstliche Intelligenz (KI), Metaverse oder NFTs entwickeln sich rasant weiter und werfen spannende neue Fragestellungen auf. Als Berater immer am Puls der Zeit zu bleiben und über alle europäischen Regelungsvorhaben den Überblick zu behalten, ist in diesem Bereich derzeit eine besondere Herausforderung.

Ich freue mich daher umso mehr, einen Platz gefunden zu haben, in dem ich meine bisherigen Erfahrungen und meine Ausbildung, insbesondere meinen postgradualen Master im Bereich IT-Recht, so umfassend einsetzen kann und beim Ausbau des Bereichs New Technologies & Digitalisierung die Möglichkeit habe, mich mit Kollegen aus dem In- und Ausland über aktuelle und spannende Themen auszutauschen.

Durch die Digitalisierung, die aktuelle Pandemie haben sich neue ev. auch dauerhafte Lösungen in der Rechtsberatung ergeben? Was ist für Sie die wesentlichste?

Die COVID-19 Pandemie hat viele Glaubenssätze, die zum Anwaltsberuf bestehen, in Frage gestellt und auch verändert. Virtuelle Besprechungen, Home Office oder gar virtuelle Gerichtsverhandlungen waren vor dieser schweren Zeit selten bis gar nicht möglich. Die Pandemie hat gezeigt, dass weniger Präsenz im Büro nicht mit Leistungsabfall einhergeht und hat so für den Anwaltsberuf eine größere örtliche Flexibilität gebracht.

Daneben haben die letzten Jahre außerdem bei Legal Tech Tools einen enormen Aufschwung gebracht, die die Arbeit als Anwalt erleichtern und beschleunigen können. Bei KWR wird zum Beispiel das Legal Tech Tool „Konzierge“ im Bereich Immobilienrecht verwendet, das Unterstützung bei der Vertragserstellung auf Basis von Musterverträgen bietet und bei Bauträgerprojekten bereits erfolgreich eingesetzt wird.

Wie sieht, aus Ihrer Sicht, der Anwaltsberuf der Zukunft aus – der virtuelle Anwalt oder wo ist Persönlichkeit auch in Zukunft gefragt?

Der Anwalt der Zukunft wird nicht an Legal Tech Tools vorbeikommen, da Effizienz natürlich ein wichtiger Parameter ist, nach dem sich Anwälte beurteilen lassen müssen. Wie oben erwähnt, erleichtern Tools wie „Konzierge“, die bei der Vertragsgestaltung unterstützen, den Arbeitsalltag enorm und schaffen zusätzliche Kapazitäten im Team.

Im Hinblick auf den persönlichen Kontakt zu den Klienten, den auch kein Legal Tech Tool ersetzen kann, ist jeder Rechtsbereich in der Beratung völlig verschieden. Um ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, bedarf es aber in jedem Fall neben dem notwendigen Können natürlich auch Empathie auf Seiten des Beraters. Und das ist wohl auch der wichtigste Punkt, der uns von sogenannten „Robot Lawyern“ unterscheidet, wie etwa dem Robot Lawyer „DoNotPay“, der in den USA gerade für Aufmerksamkeit sorgt.

Natürlich ist der Bereich New Technologies & Digitalisierung prädestiniert dafür, den zwischenmenschlichen Kontakt eher über moderne Kommunikationstechnologien ablaufen zu lassen. Die letzten Jahre in der COVID-19 Pandemie haben uns auch gezeigt, wieviel virtuell „erledigt“ werden kann, wenn es sein muss. Letztendlich ist das persönliche Gespräch mit Mandanten in vielen und heiklen Bereich unumgänglich und aus meiner Sicht auch nicht durch Legal Tech Tools ersetzbar.

Beatrice Bluemel im Gespraech - KWR
Beatrice Bluemel im Gespraech – KWR

Wenn Sie einen Menschen schätzen bzw. gerne treffen würden, wer wäre das und warum?

Definitiv „the notorious RBG“. Ruth Bader Ginsburg war eine Ikone und einzigartige Juristin. Als Richterin des Supreme Court hat sie den Menschen Hoffnung und Optimismus vermittelt. Ich finde ihren Zugang zu den Dingen, etwa dass man für die wichtigen Dinge kämpfen soll – aber so, dass sich die anderen anschließen wollen – sehr inspirierend.

Sie sind sehr engagiert. Wie entspannt sich eine engagierte Anwältin in der eigentlich wenigen Freizeit?

Ich entspanne am Besten im Wasser auf dem Surfboard – sei es beim Wakesurfen auf der Donau, beim Riversurfen oder nach Möglichkeit an meinem Lieblingssurfspots am Meer. Das Wasser und die Wellen haben mir schnell beigebracht, dass man manche Dinge im Leben einfach nicht so einfach kontrollieren kann.

Danke für das Interview

Link zu Dr. Beatrice Blümel, LL.M.

Foto / Interview: Walter J. Sieberer

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